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Grüner Wasserstoff aus Lübeck

Land fördert Elektrolyseprojekt der EBL mit 3,55 Millionen Euro

Land fördert Elektrolyseprojekt der EBL mit 3,55 Millionen Euro
Umweltminister Tobias Goldschmidt übergibt Förderbescheid für das Projekt „H2ANSE – H2 aus dem echten Norden“

Ein wichtiger Schritt für die regionale Energiewende: Die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) können ihr Projekt zur Erzeugung von grünem Wasserstoff weiter vorantreiben. Das Land Schleswig-Holstein unterstützt das Vorhaben H2ANSE – „H2 aus dem echten Norden“ mit einer Förderung in Höhe von rund 3,55 Millionen Euro. Den Förderbescheid übergab Schleswig-Holsteins Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur, Tobias Goldschmidt, heute auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums Lübeck.

„Grünem Wasserstoff gehört die Zukunft, denn er ist klimaneutral und kann uns dabei helfen, unsere Abhängigkeiten nach fossilen Energiequellen endlich hinter uns zu lassen. Durch das Projekt H2ANSE wird bald regional erzeugter grüner Wasserstoff direkt vor Ort als klimaneutraler Energieträger zur Verfügung gestellt“, sagt Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein. „Damit leisten die Entsorgungsbetriebe Lübeck einen wichtigen Beitrag zum Aufbau einer nachhaltigen Wasserstoff-Wirtschaft in Schleswig-Holstein und zum Fortschritt der Energiewende.“

Im Mittelpunkt des Vorhabens steht ein 1-MW-PEM-Elektrolyseur, der auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums Lübeck errichtet werden soll. Für die Stromversorgung ist eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 7 MWp auf dem Südhang der Deponie Niemark vorgesehen. Der erzeugte grüne Wasserstoff wird gespeichert und über eine Abfüllstation für den Transport zur Wasserstofftankstelle im Gewerbegebiet Roggenhorst bereitgestellt.

„Mit H2ANSE verbinden wir mehrere Zukunftsthemen miteinander: erneuerbare Energien, Wasserstoff, Kreislaufwirtschaft und klimafreundliche Mobilität. Als Hansestadt Lübeck zeigen wir damit ganz konkret, wie eng Klimaschutz und Daseinsvorsorge zusammengehören und aus vorhandener Infrastruktur neue, nachhaltige Lösungen entstehen können“, erläutert Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau.

Bei ausschließlicher Versorgung durch die geplante Photovoltaikanlage können nach den bisherigen Berechnungen jährlich rund 57.000 Kilogramm Wasserstoff produziert werden. Durch die zusätzliche Einbindung von Windstrom könnte die Produktion perspektivisch auf bis zu 100.000 Kilogramm pro Jahr steigen.
Der Wasserstoff soll vor allem für den Schwerlast- und Fernverkehr eingesetzt werden. Auch die EBL selbst wollen den Energieträger nutzen: Ein bereits im Jahr 2022 angeschafftes Abfallsammelfahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb soll über die geplante Tankstelleninfrastruktur mit Wasserstoff versorgt werden. Darüber hinaus ist EBL-weit perspektivisch die Anschaffung von weiteren acht bis zehn Brennstoffzellenfahrzeugen vorgesehen.

Nicht nur Wasserstoff wird genutzt

Eine Besonderheit des Projekts ist die möglichst vollständige Nutzung der beim Elektrolyseprozess entstehenden Stoff- und Energieströme.
So entstehen beim Betrieb des Elektrolyseurs jährlich voraussichtlich bis zu 1.100 Megawattstunden nutzbare Abwärme. Diese soll zur Beheizung der Biogasanlagen eingesetzt werden. Dadurch kann Biogas „eingespart“ werden, das anschließend beispielsweise für die Erzeugung von Wärme im städtischen Fernwärmenetz zur Verfügung stehen kann und damit den fossilien Energieträger Erdgas reduziert.

Darüber hinaus fallen bei der Wasserstoffproduktion große Mengen Sauerstoff an (zwischen 450.000 kg/a und 78.000 kg/a). Dieser wird in der direkt angrenzenden Mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) zur Optimierung des biologischen Prozesses zur Biogasgewinnung eingesetzt.

„Das Besondere an unserem Vorhaben ist der ganzheitliche Ansatz. Wir wollen nicht nur Wasserstoff produzieren, sondern möglichst alle Energie- und Stoffströme des Prozesses nutzen. Damit entsteht auf dem Gelände der EBL ein Zusammenspiel verschiedener Technologien, das über die reine Wasserstoffproduktion weit hinausgeht“, sagt EBL-Direktor Mathias Mucha.

Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs

Mit dem erzeugten Wasserstoff können nach den Berechnungen der EBL jährlich zwischen rund 222.000 und 385.000 Liter fossiler Dieselkraftstoff im Schwerlastverkehr ersetzt werden können. Daraus ergibt sich ein rechnerisches Einsparpotenzial von etwa 589 bis 1.020 Tonnen CO₂ pro Jahr.
Das Gesamtinvestitionsvolumen für die geplante Wasserstoffproduktionsanlage liegt bei rund 7,9 Millionen Euro. Davon übernimmt das Land Schleswig-Holstein rund 3,55 Millionen Euro im Rahmen der Förderung.

Mit dem Projekt wollen die EBL zugleich Erfahrungen mit der Erzeugung, Speicherung und Nutzung von grünem Wasserstoff sammeln und damit einen Beitrag zum Aufbau einer regionalen Wasserstoffwirtschaft leisten. Die EBL verfolgen das Ziel, ihre Fahrzeugflotte bis zum Jahr 2040 vollständig zu dekarbonisieren.

H2ANSE – „H2 aus dem echten Norden“ steht damit für einen regionalen Ansatz: erneuerbaren Strom erzeugen, grünen Wasserstoff produzieren, Koppelprodukte nutzen und den Energieträger anschließend direkt für eine klimafreundlichere Mobilität einsetzen.

(v.l.n.r.) Jürgen Adler, Leiter des Abfallwirtschaftszentrums Lübeck; Jan Lindenau, Bürgermeister der Hansestadt Lübeck; Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein; Mathias Mucha, Direktor der Entsorgungsbetriebe Lübeck; Dr.-Ing Thilo Panten, Geschäftsführer des Ingenieurbüros ERC Engineering Xperts GmbH