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Unsere Leistungen  > Stadtentwässerung  > Abwasserbehandlungsanlagen  > Klärwerk Ochsenkopf

Das Klärwerk Ochsenkopf

Allgemeines

Klärwerk OchsenkopfDie Kläranlage Ochsenkopf liegt auf dem nördlich der B 75 gelegenen  Teil der Herreninsel und wurde 1979 zunächst mit der mechanischen, ab 1980 auch mit der biologischen Stufe in Betrieb genommen. Nach den damals geltenden Bemessungsansätzen wurde die Anlage für  die biologische Vollreinigung von 190.000 Einwohnerwerten (EW) ausgelegt, wobei der gewerbliche und industrielle Anteil mit dem hohen Wert von etwa 80 % angesetzt wurde. Es zeigte sich, daß diese Belastung in den Folgejahren und bis heute nicht erreicht wurde - zum Einen entwickelte sich die Gewerbe- und Industrieansiedlung nicht wie erwartet und zum Anderen führten Produktionsumstellungen in den Betrieben zu geringeren Abwassermengen, die heute gleichzeitig besser vorgereinigt sind. Durch die Nichtauslastung der biologischen Grundreinigungskapazität war es möglich, 1992 die gezielte biologische Stickstoffelimination in Betrieb zu nehmen, nachdem schon 1989 die chemische Phosphatfällung eingeführt worden war.  Für den Stickstoffabbau mussten keine größeren Baumaßnahmen oder gar Erweiterungen der Belebungsbecken vorgenommen, sondern lediglich Steuer-, Regelungs- und Maschinentechnik eingebaut werden. In seinem heutigen Zustand ist das Klärwerk Ochsenkopf in der Lage, das gewerbliche und häusliche Abwasser aus den angeschlossenen Ortsteilen Kücknitz mit Roter Hahn (1995), Rangenberg (1986) und Herrenwyk (1989), Siems (1998), Israelsdorf (1982) sowie Schlutup (1979) zu reinigen (in Klammern die Jahre des vollständigen Anschlusses). Dabei werden die gegenüber 1980 deutlich gestiegenen Anforderungen des Wasserhaushaltsgesetzes erfüllt. Die größte Abwasserbelastung mit bis zu 85.000 EW fließt dem Klärwerk im Herbst zu, wenn  insbesondere das gemüseverarbeitende Gewerbe Hochbetrieb hat. Nach Betriebsoptimierungen im Jahre 1996 werden auch diese Mengen ohne Überschreitungen der Überwachungswerte für organische Substanzen, Stickstoff und Phosphor bewältigt. Die jährlich gereinigte Abwassermenge beträgt 1,5 bis 2 Mio. Kubikmeter.

2. Aufbau der Kläranlage

Das Abwasser durchläuft nach dem Einlaufpumpwerk zunächst die mechanischen Einrichtungen Rechen und Sandfang. Hier werden grobe Verunreinigungen und Sinkstoffe, vor allem Sand, entnommen. 
Rechengut und Sand werden nach einer Entwässerung als Abfall deponiert.
Als weitere mechanische Reinigungsstufe schließt sich die kombinierte Flotation/Vorklärung an. Als Vorklärung genutzt, wird der durch Schwerkraft abgesunkene Primärschlamm von der Beckensohle abgezogen, während das Prinzip der Flotation darin besteht, dass fein aufsteigende Luftbläschen die verschiedenen Schweb- und Sinkstoffe mit an die Oberfläche transportieren, von wo sie als Schlammteppich „abgeschöpft“ werden können.
Bei der anschließenden biologischen Abwasserreinigung wird auf dem Klärwerk Ochsenkopf auf zwei unterschiedliche Verfahren zurückgegriffen: Neben dem sehr verbreiteten Belebtschlammverfahren in 2 sogenannten Umlaufbecken wird ein vorgeschalteter Tropfkörper eingesetzt. Beim Belebtschlammverfahren werden die abbauenden Bakterien als wässriger Schlamm mit dem Abwasser gemischt. Dieser Belebtschlamm wird mit liegenden Bürstenwalzen intervallartig belüftet und durchmischt. Im Tropfkörper rieselt das Abwasser dagegen über Kunststofflamellen (es kann auch Lavagestein zum Einsatz kommem), die mit einem Bakterienrasen überzogen sind. Der dünne Wasserfilm erlaubt es, die überwiegend festsitzenden Bakterien mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft zu versorgen. Der Bakterienrasen wächst, bis sich Teile davon ablösen, die durch ein Mikrosieb abgetrennt werden.
Das Wasser-Schlamm-Gemisch aus den Belebungsbecken gelangt in die drei rechteckigen Nachklärbecken, in denen sich der schwerere Schlamm absetzt und das „geklärte“ Wasser zur Trave abfließen kann. Der größte Teil des abgesetzten Schlammes wird in die Belebungsbecken zurückgepumpt, um eine gleichmäßig hohe Bakteriendichte aufrecht zu erhalten. Ein Teil, dies ist der durch Bakterienzuwachs bedingte Überschussschlamm, muss dem System entnommen werden.
Zusammen mit dem Primärschlamm aus der Vorklärung wird der Überschussschlamm mit Schuten zum Zentralklärwerk an der Teerhofsinsel verbracht, wo er in den bekannten und weithin sichtbaren Faultürmen biologisch weiterbehandelt wird. Nach der etwa 25-tägigen Faulung wird der Klärschlamm maschinell entwässert und schließlich landwirtschaftlich als Dünge- und Humusstoff verwertet.

3. Zukünftige Entwicklung/Ausbau der Anlage

Das Land Schleswig-Holstein hat 1989 das Dringlichkeitsprogramm zur Verbesserung der Reinigungsleistungen der 38 größten Kläranlagen im Lande aufgestellt. Neben den im Bundesrecht verankerten Überwachungswerten für den chemischen Sauerstoffbedarf, Stickstoff und Phosphor wurde hierbei zusätzlich eine Begrenzung von  5 mg/l für die abfiltrierbaren Stoffe eingeführt. Die Hansestadt Lübeck hat als ersten Schritt 1995 die Erweiterung der Kläranlage Priwall erfolgreich in Betrieb genommen . Ende 1997 wurde mit dem Ausbau des Zentralklärwerks begonnen und Anfang 1998 wurden die Planunterlagen zum Endausbau des Klärwerks Ochsenkopf eingereicht. Die technische Ausführung des Ausbaus ist noch nicht planfestgestellt. Zur Zeit werden verschiedene Varianten, darunter auch die Möglichkeit, das Abwasser zum Zentralklärwerk zu leiten, untersucht.

4. Technische Daten und Reinigungsleistung

Anlagentechnik:


Anlagenteil

Anz.

Ausführung/Größe

Rechen

2

Spaltbreiten 40 mm und 16 mm

Sandfang

2

belüftet, je 200 m³

Vorklärung/Flotation

2

je 670 m³

Tropfkörper

1

940 m³/130 m²

Belebungsbecken

2

je 2.400 m³

Nachklärbecken

3

je 1.100 m³/480 m²

Ausgleichsbecken

2

je 2.000 m³

Jahresabwassermenge 2003: 1.507.536 m³

Wasserrechtlich einzuhaltende Werte:

Biologischer Sauerstoffbedarf (BSB5)

10

mg/l

Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)

60

mg/l

Stickstoff gesamt

10

mg/l

Phosphor gesamt

1,0

mg/l

Ablaufwerte (Mittelwerte 2003):

Biologischer Sauerstoffbedarf (BSB5)

5

mg/l

Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)

44

mg/l

Stickstoff gesamt

8,3

mg/l (bei T > 12°C)

Phosphor gesamt

0,5

mg/l

Abbauleistungen:

Biologischer Sauerstoffbedarf (BSB5)

99

%

Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)

97

%

Phosphor gesamt

97

%

Stickstoff gesamt

87

%


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